Asthma Aspekte - Kompetenzzentrum für Atemwegserkrankungen

Was ist Asthma bronchiale?
Hauptmerkmal sowohl beim allergisch bedingten als auch beim nichtallergisch bedingten Asthma, ist eine Entzündung der Atemwege.

Asthmaerkrankungen
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Die Ursachen des Asthma sind noch unbekannt. Die Veranlagung zum Asthma kann vererbt werden. Zudem spielen Umweltfaktoren bei der Krankheitsentstehung eine große Rolle.

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Asthma Aspekte

Lungenkrankheiten - die Epidemiologie

Ärztin

Die großen Lungenkrankheiten

Dem Begriff "Epidemiologie" sind wir bereits im September begegnet. Man versteht darunter die Wissenschaft von der geographischen und zeitlichen Verbreitung einer bestimmten Krankheit innerhalb einer Bevölkerungsgruppe. Aus epidemiologischen Daten können vielerlei wichtige Rückschlüsse gezogen werden. Manchmal ist es sogar möglich, bislang verborgene Zusammenhänge zwischen verschiedenen Krankheiten aufzudecken, den Einfluss der Lebensumstände auf deren Verbreitung zu bewerten und natürlich auch prognostische Voraussagen zu treffen. Letzteres ist vor allem für die finanziellen Kalkulationen im Gesundheitswesen von großer Bedeutung. Betrachtet man die großen Lungenkrankheiten unserer Zeit, so fallen drei durch eine besonders starke Verbreitung auf: Die COPD, das Asthma und der Lungenkrebs*. Der COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease" zu deutsch: "Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung") sind wir in unserem Online-Journal schon oft begegnet. Wir wissen, dass diese Erkrankung fast ausschließlich durch das Rauchen verursacht wird. In Deutschland gibt es etwa 34 Millionen Zigarettenraucher. Die Tendenz ist steigend. Damit sind die Zunahme der COPD und wohl auch das häufige Auftreten des Lungenkrebses erklärbar.

Asthma nimmt weltweit zu

Was die häufige Verbreitung des Asthmas betrifft, sind die Wissenschaftler ein wenig in Erklärungsnot. Etwa jedes zehnte Kind und fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden hierzulande am Asthma bronchiale. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist ein Ansteigen der Asthmafälle zu verzeichnen. Bei Kindern ist die Zunahme der Prävalenz** besonders dramatisch. Schon heute gehört das Asthma zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter! Erwiesenermaßen haben Kinder, deren Eltern oder Großeltern Asthmatiker sind, ein höheres Erkrankungsrisiko, als jene mit "gesunden Vorfahren". Offenbar muss es also eine vererbbare Komponente bei der Entstehung des Asthma geben. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, dass das Asthmageschehen in vielen Fällen durch eine Überaktivität des Immunsystems verursacht wird, so scheint dies auch verständlich. Das besonders zahlreiche Auftreten bestimmter Antikörper, des Immunglobulins IgE, das für das Auftreten von Allergien mitverantwortlich ist, kann vererbt werden. Allergien sind eigentlich nichts anderes, als das unmittelbare Ergebnis einer solchen "Überreaktion" des Immunsystems. Auf Substanzen, die normalerweise völlig harmlos sind, reagieren allergische Menschen "überempfindlich". Neben dem Asthma basieren auch die Neurodermitis und der Heuschnupfen auf einer Störung des Immunsystems (die drei Krankheitsbilder werden daher auch oft als "atopisches Syndrom" zusammengefasst). Allerdings ist es kaum vorstellbar, dass sich das "Erbgut" einer Bevölkerungsgruppe innerhalb von wenigen Jahrzehnten so rapide verändert, dass nun vermehrt Asthmatiker geboren werden. Für die starke Zunahme der Erkrankungshäufigkeit muss es noch andere Gründe geben.

Asthmaerkrankungen je 1000 Einwohner


Die differenzierte Betrachtung offenbart eine sehr deutliche Beziehung von Erkrankungshäufigkeit und Industrialisierungsgrad des betreffenden Landes. In England, Kanada, den USA liegt die Asthmaprävalenz zwischen 20 und 30 Prozent. Indien, Indonesien und Mexiko haben hingegen mit weniger als 10 Prozent einen sehr viel kleineren Anteil von Asthmatikern an der Gesamtbevölkerung. Neben der hohen Schadstoffbelastung scheint aber die "Verwestlichung" des Lebensstils eine ebenso große Rolle für die Krankheitsentstehung zu haben. Einige Forscher vermuten zudem, dass die extrem guten hygienischen Bedingungen in den industrialisierten Staaten das Immunsystem unseres Organismus generell unterfordern und damit zu Störungen führen könnten, die Allergien immer mehr in den Vordergrund treten lassen. Außerdem halten sich die "modernen Industriemenschen" immer häufiger in geschlossenen Räumen auf, wo sie den so genannten "indoor-Allergenen" (vor allem Hausstaubmilben) vermehrt ausgesetzt sind.

Eine besonders bedrückende Tatsache ist die trotz ständig verbesserter Behandlungsmöglichkeiten immer noch hohe Sterblichkeit von Asthmapatienten. Die "standardisierte Sterblichkeit" von Asthmatikern pro 100.000 Einwohner ist in Deutschland sogar besonders hoch. Sie ist dreimal größer, als in anderen europäischen Ländern, wie z.B. Belgien, Norwegen oder Portugal, übertrifft aber auch andere industrialisierte Länder, wie Kanada. Nur in Ungarn liegt die Sterblichkeit noch höher. Wahrscheinlich, so mutmaßen Gesundheitspolitiker, liegt dies an einer Unterschätzung des Schweregrades des Asthma und einer möglicherweise ungenügenden bzw. unzuverlässigen Einnahme der verordneten Medikamente. Untersuchungen haben ergeben, dass Asthmatiker lediglich an drei von zehn Tagen ihre Medikamente ordnungsgemäß inhalieren. Die Bereitstellung von Kombinationspräparaten, die die beiden Hauptmedikamente des Asthmakranken in sich vereinen, stellt gerade in diesem Lichte einen bedeutenden Fortschritt dar. Sie sichern ab, dass der Asthmatiker die korrekte Menge seines Entzündungshemmers und des bronchienerweiternden Mittels inhaliert und nicht etwa eines der Präparate vergessen kann. Aus unseren vergangenen Ausgaben ist uns zum Beispiel das Kombinationsspräparat aus Budesonid und Formoterol noch gut in Erinnerung.

Asthma ist eine teuere Angelegenheit

Asthma ist eine teure Angelegenheit für die Gesellschaft. Die Gesamtaufwendungen sind nicht nur für den Betroffenen enorm, der sich mit seinen Zuzahlungen an diesen Kosten beteiligt und darüber hinaus oftmals mit beträchtlichen zusätzlichen Ausgaben für zum Beispiel Pollenfilter etc. belastet wird. Asthma führt auch aus wirtschaftlichen Erwägungen zu erheblichen Beeinträchtigungen. Im Jahre 1997 betrugen die Gesamtkosten für das Asthma bronchiale etwa 2 Milliarden Euro. 38 Prozent davon trugen die Krankenkassen (also vor allem die Beitragszahler), 12 Prozent entfielen auf die Arbeitgeber und 11 Prozent mussten die Asthmapatienten selbst tragen. Jährlich kommt es allein durch Asthmaanfälle zu 730.000 Krankenhaus- und 2,7 Millionen Arbeitsunfähigkeitstagen. Etwa 3.000 Asthmatiker büßen jedes Jahr ihre Arbeitsfähigkeit krankheitsbedingt völlig ein. Je nach Schweregrad fallen bei erwachsenen Asthmatikern zwischen 1.000 und 4.000 Euro für die ambulante und stationäre Versorgung sowie für Medikamente an. Dabei darf man nicht aus dem Blickfeld verlieren, dass zwar 99 Prozent aller Patienten mit einem "schweren Asthma" behandelt werden, aber nur jeder Dritte mit einem so genannten "leichten Asthma" bisher zum Arzt gegangen ist. Derzeit werden von den vermutlich 4 Millionen Asthmatikern lediglich 1,9 Millionen auch ärztlich behandelt! Unbehandelt kann sich im Laufe der Zeit der Schweregrad einer jeden Erkrankung rapide verschlechtern. Je schwerer das Asthma, desto teurer ist aber die Behandlung. Nicht zum Arzt zu gehen, ist deswegen auch ökonomisch gesehen teurer, als der rechtzeitige Beginn einer wirksamen Behandlung! In einer europäischen Untersuchung wurde festgestellt, dass in Deutschland nur halb soviel Asthmakranke Medikamente inhalieren wie in Schweden oder in Belgien. Ein antientzündliches Mittel, das den langfristigen Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst, nimmt hierzulande sogar nur jeder vierte (Hamburg) bzw. jeder siebte (Erfurt) Asthmatiker.

* Wir wollen bei unseren Betrachtungen bakteriell verursachte Lungenerkrankungen der besseren Übersicht wegen einmal ausklammern.
** Die Prävalenz ist der Prozentsatz einer Population mit einer bestimmten Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt.


Was verursacht Asthma

Die Ursachen des Asthma sind noch unbekannt. Die Veranlagung zum Asthma kann vererbt werden. Zudem spielen Umweltfaktoren bei der Krankheitsentstehung eine große Rolle. Folgende Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen: Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, gehäufte Allergene (z.B. Pollen oder Hausstaubmilben), Virusinfekte bei Kleinkindern, Luftschadstoffe.


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