Asthma Aspekte - Kompetenzzentrum für Atemwegserkrankungen

Was ist Asthma bronchiale?
Hauptmerkmal sowohl beim allergisch bedingten als auch beim nichtallergisch bedingten Asthma, ist eine Entzündung der Atemwege.

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Bild links:
JFK: Ein berühmter Patient mit Cortisolmangel

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Asthma Aspekte

Das Cortisol-Wunder

J.F.KennedyAsthma ist eine chronische Erkrankung, die durch eine anfallsweise auftretende Atemwegsverengung und eine Entzündung der Atemwegsschleimhaut gekennzeichnet ist. Die Obstruktion (lat.: obstructio = Verlegung, Einengung) ist dabei im Gegensatz zur COPD vollständig reversibel. Die Entzündung kann jedoch fortschreiten, das Asthma verschlimmern und sogar zu dauerhaften Schäden der Lunge führen. Es ist gut verständlich, dass die Behandlung des Asthma deswegen sowohl auf die Bronchienverengung als auch auf die Entzündung abzielen muss. Dieses wichtige Therapieprinzip kann am besten gewährleistet werden, wenn das bronchienerweiternde Mittel (zum Beispiel Formoterol) und der Entzündungshemmer (zum Beispiel Budesonid) gemeinsam – möglichst als Kombination aus einem Gerät – inhaliert wird. Budesonid ist einer der wirksamsten Entzündungshemmer, die wir heute kennen. Im entfernten Sinne ist er ein Nachfahre des Cortisols.

Das Cortisol ist eine körpereigene Substanz. Sie wird in der Nebennierenrinde gebildet. Aus dem lateinischen Wort für Rinde "cortex" leitet sich auch der Name dieses lebenswichtigen Hormons ab. Weil dies vielen Menschen nicht bekannt ist, gibt es immer wieder Patienten, die eine unbegründete "Kortisonangst" haben. Sie haben gehört, dass Cortisol dick macht, das Gesicht verunstaltet oder zu Knochenschwund führt und sich ein regelrechtes Feindbild gegen dieses Hormon aufgebaut. Spricht der Arzt dann davon, ein Kortisonpräparat verordnen zu wollen, glauben sie gelegentlich, jetzt würde zum letzten Gefecht geblasen. Dass man aber ohne Cortisol nicht leben kann, zeigt sich, wenn die Nebenniere plötzlich kein Cortisol mehr produziert. Die betreffende Erkrankung wurde nach ihrem Entdecker, dem englischen Arzt Thomas Addison (1793-1850), der sie bereits im Jahre 1855 beschrieb, als Addisonsche Krankheit bezeichnet. Schwäche, Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, unausgeglichener Mineralhaushalt, Verdauungsstörungen, geringer Blutzuckerspiegel, Niedergeschlagenheit und eine verstärkte bronzefarbende Pigmentierung der Haut sind die Anzeichen der unbehandelt fortschreitenden und tödlich verlaufenden Krankheit. Heute kann der im Volksmund auch "Bronzekrankheit" genannte Hormonausfall natürlich exzellent behandelt werden. Man gibt dem Patienten einfach Cortisol und schon ist ein völlig normales Leben möglich. Den besten Beweis für die Nützlichkeit des Cortisols haben wir alle noch in unauslöschbarer Erinnerung. Einer der besonders verehrten amerikanischen Präsidenten litt an der ´schen Krankheit:

Die Nebenniere war bereits dem berühmten Arzt (1515-1564) bekannt. Dennoch sollten noch drei Jahrhunderte vergehen bis die Bedeutung der dort produzierten Hormone erkannt wurde. Im Jahre 1894 gelang es, aus dem Nebennierenmark das wohl jedem bekannte Hormon Adrenalin zu isolieren. Aber erst um 1937 untersuchten die Amerikaner Eduard Kendall (1886-1972), Otto Wintersteiner(1898-1971) und der Schweizer Tadeusz Reichstein (1897- ?) die Nebennierenrinde. Der von ihnen isolierte Wirkstoff wurde Cortisol genannt. Die Arbeiten waren mühevoll. Um ein einziges Gramm der Substanz zu gewinnen benötigte man fast eine halbe Tonne Nebennieren. Das entsprach etwa 20.000 Rindern. Es ist verständlich, dass die Erforschung dieses Hormons daher nur langsam vorankam. Einige Jahre vor der Entdeckung des Cortisols hatte man in der weltberühmten Mayo-Klinik in den USA eine Aufsehen erregende Entdeckung gemacht. Patientinnen, die an schweren rheumatischen Gelenkbeschwerden litten, erfuhren eine Besserung ihrer Beschwerden, nachdem sie zusätzlich an einer Gelbsucht erkrankt waren. Sofort fiel der Verdacht auf einen noch unbekannten körpereigenen Stoff, der diese Besserung bewirkt haben könnte, weil er möglicherweise infolge der Gelbsucht (eine Lebererkrankung) durch die Leber nicht mehr wie gewöhnlich abgebaut werden konnte. Erst 1948 konnte man sich Gewissheit verschaffen. Inzwischen stand eine ausreichende Menge Cortisol zur Verfügung. Am 21. September desselben Jahres erhielt eine schwerstkranke Rheumatikerin, die sich nicht einmal mehr vernünftig bewegen konnte, zweimal täglich eine Spritze mit 50 Milligramm Cortisol. Kurze Zeit später tickerten die Fernschreiber eine medizinische Topnachricht an die Forschungsinstitute in aller Welt: Bereits nach zwei Behandlungstagen war die Frau bewegungsfähig. Am dritten Tag war sie schmerzfrei. Nach nur einer Woche nahm sie sich ein Taxi und fuhr nach Hause. Das "Cortisol-Wunder" war in aller Munde. Cortisol ist das stärkste bekannte entzündungshemmende Medikament. Wenn es sich nicht um eine bakterielle oder virale Entzündung handelt, ist Cortisol in gewissem Sinne ein "Allheilmittel". In den 1950er Jahren wurde es deshalb auch gegen alle möglichen Krankheiten eingesetzt. Leider kam es dabei oft zu Überdosierungen, die dann für die erwähnten Nebenwirkungen verantwortlich waren. Heutzutage gibt es zahlreiche synthetisch hergestellte Abkömmlinge des Cortisols***.

Wir wollen sie einfach als Glukokortikoide bezeichnen. Bei akuten Krankheitszuständen können sie lebensrettend sein. Für die Dauerbehandlung chronischer Erkrankungen werden sie sehr niedrig dosiert und verursachen kaum Probleme. Da sich die modernen Glukokortikoide auch als beste Behandlungs-Option für Asthmakranke erwiesen haben, wurde hier sogar eine besonders verträgliche Anwendungsform entwickelt: Die inhalativen Glukokortikoide. Sie werden als Pulver eingeatmet und erreichen mit der Atemluft direkt die Bronchien. Hier setzt sich der Wirkstoff ab und entfaltet seine wohltuende antientzündliche Wirkung. Wie bei einem Puder oder einer Salbe, die man sich auf die Haut aufträgt, erreichen nur noch wenige Moleküle des Wirkstoffes die Blutbahn. Anders, als beim damals eingesetzten Cortisol, das ja als Spritze oder Tablette früher oder später direkt in die Blutbahn gelangt, können Cortisol-Nebenwirkungen bei Inhalationen kaum auftreten.


*** Das in der Nebennierenrinde produzierte Cortisol und das künstlich hergestellte Hydrocortison (Kortison) unterscheiden sich lediglich durch ein einziges Wasserstoffatom im molekularen Aufbau.


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