Was ist Asthma bronchiale?
Hauptmerkmal sowohl beim allergisch bedingten als auch beim nichtallergisch
bedingten Asthma, ist eine Entzündung der Atemwege.

Fit trotz Asthmaleiden !
Ein besonders wichtiger Fortschritt in der Asthmabehandlung war daher die Einführung des so genannten "Asthmakontrollplans".
Aktiv trotz Asthma !
Asthma Aspekte
Asthma und der Einfluss des Wetters
So, wie die Jahreszeiten wechseln oder sich das Wetter ändert, können auch einige Krankheiten manchmal besonders heftig in Erscheinung treten, ein andermal hingegen gänzlich verschwinden. Manche Hautkrankheiten und die Migräne zeigen diese Eigenart. Auch für das Asthma sind derartige Schwankungen charakteristisch. Obwohl wir bereits aus den früheren Ausgaben wissen, dass die "mit einem entzündlichen Prozess der Atemwege einhergehende anfallsartige Einengung der Luftwege" eine chronische Erkrankung ist, können die Asthmabeschwerden dennoch zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Der Vergleich mit den Jahreszeiten trifft die unterschiedliche Ausprägung des Asthmaschweregrades im Übrigen ganz gut. Ein großer Teil der Betroffenen leidet nämlich an allergischem Asthma. Diese Menschen reagieren zum Beispiel auf den im Frühjahr oder Sommer einsetzenden Pollenflug vieler Blumen und Bäume besonders sensibel. Die Asthmabeschwerden können gerade in dieser Zeit dramatisch zunehmen. Es wäre natürlich zweckmäßig, die medikamentöse Behandlung den Krankheitsschweregraden entsprechend anzupassen. Verschlimmern sich die Beschwerden, müsste der Betroffene ein zusätzliches Medikament oder eine höhere Dosis seiner üblichen erhalten. In Zeiten relativer Beschwerdefreiheit würde eine Verringerung der normalen Dosis sinnvoll sein. Dabei darf die Inhalation der Medikamente in den meisten Fällen jedoch nicht völlig abgesetzt werden. Andernfalls kann sich die dem Asthma zugrunde liegende Entzündung weiter verschlimmern, und die krankhafte Veränderung der Bronchialschleimhaut schreitet fort. Ohnehin darf jedwede Veränderung sowohl der Dosierung, als auch der verordneten Medikamente nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Asthmatiker leiden unnötig!
Leider haben sich noch nicht alle Asthmatiker diese Prämisse zu Eigen gemacht. Den "atemerleichternden" Effekt der Bronchodilatatoren, erleben die Betroffenen unmittelbar und sehr direkt. Daher wird deren Inhalation sehr konsequent durchgeführt. Ganz anders sieht es hingegen mit den Entzündungshemmern aus. Lassen die Beschwerden nach, so werden diese Medikamente ganz schnell im Medikamentenschrank "vergessen". Tests belegen, dass die meisten Asthmatiker lediglich an drei von zehn Tagen eine therapiegerechte Inhalation aller Medikamente in ausreichender Dosierung durchführen. Diese mangelnde Einnahmetreue mag eine der wichtigsten Ursachen dafür sein, dass der Erfolg der Asthmabehandlung in Europa trotz der Verfügbarkeit zahlreicher moderner Medikamente noch immer unzureichend ist. Eine Befragung in 73.880 europäischen Haushalten hat offenbart, dass neun von zehn Asthmatikern eine "eingeschränkte Lebensqualität" haben. Jeder fünfte ist sogar zeitweise arbeitsunfähig. Ein Viertel der Betroffenen muss außerplanmäßige Arztbesuche wegen des Asthmas machen. Elf Prozent aller Asthmatiker werden sogar notfallmäßig in das Krankenhaus eingewiesen. Jeder zweite Asthmatiker hat tagsüber Beschwerden, jeder Dritte mindestens wöchentlich Schlafstörungen. 47 Prozent sind bei sportlicher Tätigkeit eingeschränkt. Nur bei jedem zwanzigsten (!) ist das Asthma optimal unter Kontrolle. Die Verwendung eines Kombinationspräparates kann hier zumindest dafür sorgen, dass zwei der drei wichtigen Säulen der Asthmatherapie – die Entzündungshemmung und die Bronchienerweiterung – nicht "versehentlich" vernachlässigt werden. Der Asthmatiker nimmt automatisch die richtigen Medikamente im richtigen Verhältnis ein. Auch die uns bereits bekannten Wirkstoffe Budesonid und Formoterol gibt es in Deutschland als Kombinationsmedikament. Vielleicht können solche modernen Kombinationen dazu beitragen, dass bald alle Asthmatiker die von der Weltgesundheitsorganisation formulierten Ziele einer effektiven Asthmabehandlung erreichen:Die GINA*-Ziele einer wirksamen Asthma-Behandlung
- - nur noch minimale chronische Beschwerden
- - keine Asthmaanfälle mehr
- - keine Notfallbesuche beim Arzt
- - seltener Gebrauch von Notfallmedikamenten ("dritte Säule")
- - keine Einschränkung der täglichen Aktivitäten
- - normaler Peak-Flow**
- - tägliche Schwankungen des Peak-Flows unter 20 Prozent
* GINA ist ein Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben des englischen "Global Initiative for Asthma"
** Informieren Sie sich über den Peak-Flow und seine Messung in unserer Mai-Ausgabe
Die verschiedenen Asthmaschweregrade
Trotz der aufgezeigten gravierenden Einschnitte in ihre Lebensqualität geben 77 Prozent aller Asthmatiker an, ihre Krankheit sei "gut kontrolliert" oder "vollständig unter Kontrolle". Erstaunlicherweise wird diese falsche Selbsteinschätzung umso öfter vertreten, je schlechter es den Patienten in Wirklichkeit geht. Offenbar finden sich viele Asthmatiker einfach mit ihrer Krankheit ab und glauben, "das alles muss eben so sein". In der Psychologie wird eine solche resignierende Haltung als "Coping" bezeichnet. Um Ihre Krankheit psychisch besser bewältigen zu können, passen sich die Betroffenen mit ihren eigenen Zielen und Maßstäben an einen sehr niedrigen "Sollwert" an. Glücklicherweise gibt es jedoch verlässliche Kriterien, die eine objektive Bewertung des Asthmaschweregrades erlauben. Sie führen uns zu einer vierstufigen Einteilung der Asthmaschweregrade, die gleichzeitig ein ebenso vierstufiges Behandlungsschema des Asthma bronchiale begründet:
Die Einteilung in Asthmaschweregrade richtet sich also nach dem Ausmaß und der Häufigkeit der Asthmabeschwerden sowie nach der objektiven Lungenfunktion. Diese Objektivierung vermeidet individuelle Fehleinschätzungen durch den Asthmatiker selbst und schließt die Verfälschung durch das Coping nahezu aus. Wie der PEF zu Hause mit einfachen Mitteln gemessen werden kann, hatten wir in unserer Mai-Ausgabe vorgestellt. Entsprechend den Asthmaschweregraden des Betroffenen wird der Arzt eine ganz bestimmte angepasste Behandlung einleiten. Ab Stufe 2 werden in der Regel inhalative Glukokortikoide als Dauermedikation verschrieben. Bei mittelgradigem Asthma gesellen sich auf jeden Fall lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika hinzu. Das schwere Asthma erfordert besonders hohe Dosen dieser "Bronchodilatatoren" und eventuell eine zusätzliche Gabe von Glukokortikoid-Tabletten. Natürlich wird die Notfallmedikation – ein schnell wirksames Beta-2-Sympathomimetikum – Asthmatikern aller Schweregrade verschrieben.
Der Asthmakontrollplan
Ein Großteil der Asthmatiker leidet an leichtem bis mittelgradigem Asthma. Wie wir bereits wissen, sind dabei jedoch erhebliche Schwankungen möglich. Nahezu symptomfreie Phasen können sich mit starken Beschwerden bis hin zu schwersten Atemnotanfällen abwechseln. Ein Blick auf das Peak-Flow-Protokoll bestätigt das:
In unserem Beispiel hatte der Betreffende in den ersten Tagen und in der letzten Woche des protokollierten Monats einen PEF, der zwischen 100 und 80 Prozent seines persönlichen Bestwertes lag. Da dies dem "grünen" Bereich in unserem Ampelschema entsprach, hatten wir den Kurvenabschnitt auch entsprechend farbig hinterlegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Asthmatiker in diesem Zeitraum nur geringe Asthmabeschwerden – entsprechend etwa dem Asthmaschweregrad 1 – hatte. Während dieser Zeit wurde sicherlich kein Notfallspray benötigt und man hätte vielleicht sogar auf die "üblichen" Inhalationsmedikamente verzichten können. In der Zeit vom 5. bis zum 11. September sah das jedoch plötzlich ganz anders aus: Mit einem Peak-Flow unter 50 Prozent seines so genannten "best PEF" hatte der Betroffene erhebliche Probleme. Die Ampel stand gewissermaßen auf "rot". Möglicherweise hatte der Arzt, der auch die absoluten Soll-Werte des PEF leicht ermitteln kann und zur Bewertung der Lungenfunktion zudem noch andere Lungenfunktionsparameter wie zum Beispiel das FEV1 (vergleiche unsere Märzausgabe) heranzieht, während dieses kritischen Zeitraums den Schweregrad 3 oder sogar 4 diagnostiziert. Eine entsprechende Änderung der medikamentösen Behandlung war in dieser Situation auf jeden Fall erforderlich. Früher bedeutete das für den Asthmapatienten eine Erhöhung der Dosierungen sowohl des Glukokortikoids als auch des Bronchodilatators bzw. die Einnahme zusätzlicher Medikamente. Er musste sich schnell ein neues Inhalationsschema merken – getrennt nach Glukokortikoid und Bronchodilatator. Besserten sich die Symptome dann, war eine erneute Umstellung erforderlich.
Ein besonders wichtiger Fortschritt in der Asthmabehandlung war daher die Einführung des so genannten "Asthmakontrollplans". Nach Absprache mit dem Arzt ermöglicht dieser Plan eine individuelle und flexible Behandlung mit einem bestimmten verordneten Inhalator, der sowohl das Glukokortikoid Budesonid als auch den Bronchodilatator Formoterol enthält. Verschlimmert sich das Asthma, wird einfach öfter inhaliert, im umgekehrten Fall seltener. Der Asthmatiker bekommt dabei stets so viel Wirkstoff wie nötig, gleichzeitig jedoch so wenig wie möglich, ohne eine komplizierte Dosisumstellung verschiedener Inhalatoren vornehmen oder sogar das Medikament wechseln zu müssen. Die Kriterien für eine solche Dosisanpassung werden vor allem anhand des Peak-Flow-Protokolls getroffen, berücksichtigen aber auch die Gesamtsymptomatik, den Bedarf an kurzwirksamem Notfallspray und die Häufigkeit des nächtlichen Erwachens.
Beispiel für einen Asthmakontrollplan
>> Zurück zur Übersicht "Asthma - Allgemeine Informationen"